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| Kriegsmarine - Kanal 1943 | |
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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945 Die Kriegschauplätze der S-Boote
Englischer Kanal 1943
Zu
Beginn des Jahres 1943 standen im Westen vier Flottillen mit insgesamt 40
Booten auf dem Papier zur Verfügung. Die 2. SFltl (KptLt Feldt) mit sechs
Booten und die 6. SFltl (KKpt Obermaier) auch mit sechs Booten lagen in
Ijmuiden, die 4. SFltl (KptLt Bätge) mit vier Booten in Rotterdam und die
5. SFltl (KptLt Klug) mit sechs Booten in Cherbourg. Die drei in Holland stationierten Flottillen fuhren wegen der starken Abwehr nur wenig erfolgreiche Angriffe. Am 05.01.1943 liefen die 2., 4. und 6. SFltl mit insgesamt 14 Booten aus, um einen Konvoi bei Cromer anzugreifen. Die 5. SFltl lief mit sechs Booten aus, um in der Lyme Bay zu operieren. Bei schwerem Wetter mit Hagelböen kollidierten S 116 und S 82, der Chef 5. SFltl brach den Einsatz ab und kehrte nach Cherbourg zurück. S 116 erreichte mit Mühe St. Peter Port/Guernsey. In der 6. SFltl kollidierten in einer Schneeböe S 76 und S 119, beide mussten nach Rückkehr nach Ijmuiden ins Dock. Auch die anderen Flottillen mussten erfolglos wieder einlaufen, da keine Gegner in Sicht kamen.
Bei einem Angriff am 09.01.1943 ging S 104 durch Minentreffer verloren, es fiel ein Mann und es gab zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte. Am 12.01.1943 erlitt S 109 ebenfalls einen Minentreffer, der Kanonier des vorderen Geschützes blieb vermisst, es gab einige leichter Verletzte. Am 24.01.1943 wurden wieder die drei in Holland stationierten Flottillen auf ein Geleit angesetzt, das aber nicht in Sicht kam, so dass die Boote ergebnislos wieder einliefen. Die 5. SFltl fuhr von Boulogne aus ein Sperrunternehmen. Bis Mitte Februar gab es wetterbedingt keine S-Boots-Einsätze. In der Nacht 18./19.02.1943 wurden die 2., 4. und 6. SFltl mit 15 Booten auf ein Geleit angesetzt. In einem Gefecht mit Zerstörern ging S 71 durch einen Treffer im Maschinenraum mit einem sich entwickelnden Brand verloren. Von der 26-köpfigen Besatzung wurden durch die Briten sieben Mann gerettet und gerieten in Gefangenschaft. Die anderen 19 Mann, darunter der Kmdt. Oblt.z.S. Suhr, gingen mit ihrem Boot unter. In der Nacht 26./27.02.1943 griff die 5. SFltl einen Konvoi an, S 65 meldete die Versenkung eines Bewachers, S 85 meldete einen Treffer auf einem Frachter von 2000 BRT und die Versenkung eines Tankers von 2000 BRT. Etwas später traf S 85 ein Panzerlandungsschiff (LCT 381) mit einem Torpedo und enterte es. Dabei wurden 11 Gefangene gemacht. Das Schiff wurde durch einen Torpedo von S 65 versenkt. Die 2. Gruppe meldete die Versenkung eines Bewachers durch S 68 und S 68 und S 81 meldeten auch die Versenkung eines Frachters. In Wahrheit wurden versenkt das brit. Motorschiff "Modavia" (4858 BRT), das LCT sowie der brit. Trawler "Lord Hailsham" und der norw. Trawler "Harstad". Bei einem Ansatz auf ein Geleit in der Nacht 04./05.03.1943 lief S 70 (Oblt.z.S. Klose) auf eine Treibmine und sank. Fünf Mann gingen mit dem Boot unter, der Rest der Besatzung konnte geborgen werden, darunter drei Leicht- und zwei Schwerverwundete. Bei der Rückkehr von der Unternehmung geriet eine Rotte der 6. Fltl in die Helligkeit und wurde durch britische Spitfire in zwei Wellen angegriffen. S 74 erlitt schwere Beschädigungen, S 75 brannte aus und musste gesprengt werden. Es waren 14 Tote und acht Schwerverletzte und sieben Leichtverletzte zu beklagen. Eigener Jagdschutz stand nicht zur Verfügung, obgleich angefordert. Auch wurden in der Folgezeit keine Feindbeobachtungen durch die Luftwaffe gemeldet. Am
07./08.03.1943 wurde zum ersten Male die taktische Variante „FuMB-Lauer“
durchgeführt. Dabei sollten nach vorliegender Feindmeldung die 2. und die
6. SFltl den Stichansatz durchführen und die 4. Fltl abgesetzt vom
Geleitweg lauernd erst nach Vorliegen der FuMB-Erfassung der Radarträger
angreifen. Durch Verlegung der Geleitzug-Routen kam es aber nur zu einem
Angriff der 6. SFltl auf den Konvoi. Sie wurde jedoch durch die sichernden
Zerstörer abgedrängt. Bei der sich entwickelnden Jagd auf die S-Boote
gab es eine Kollision der Boote S 119 und S 114, wobei S 119 so schwer
beschädigt wurde, dass es aufgegeben werden musste, nachdem die gesamte
Besatzung von S 114 geborgen worden war. Am 12.03.1943 befahl die Gruppe West auf Anregung des FdS, die Aufteilung aller einsatzfähigen Schnellboote in drei gleich starke Gruppen, um gegen eine unmittelbar bevorstehende Invasion gewappnet zu sein. Daraufhin verlegte die 6. SFltl Mitte März zur Unterstützung der 4. SFltl nach Cherbourg, während die 4. SFltl nach Boulogne und die 2. SFltl nach Ostende verlegte. Nach mehreren Scheinalarmierungen wurde am 25.03.1943 die Rückverlegung genehmigt. Am 26./27.03.1943 führten die Flottillen den Rückmarsch durch. Für
die Nacht 28./29.03.1943 war ein gemeinsamer Angriff auf einen Konvoi
geplant. Vor Ankunft auf der Angriffsposition stieß eine Gruppe der 2.
SFltl auf zwei MGBs. Im Verlaufe des Gefechtes
fiel der Kommandant S 29 (OLt zS
Lemm) und sechs Mann, es gab daneben noch vier Schwerverwundete.
Erst gegen Morgen wurde das langsam zurück laufende Boot von den anderen
Booten gefunden. Gleichzeitig fing man den Befehl an die MGBs auf, der sie
anwies, zurückzukehren, da Luftangriffe geflogen würden. Da eigener
Jagdschutz wegen des schlechten Wetters nicht verfügbar war, wurde das
Boot gesprengt. Am
14./15.04.1943 führten die Flottillen noch einmal einen gemeinsamen
Mineneinsatz durch, wobei die 4. SFltl einen Bewacher versenken konnte.
Die hellen Nächte ließen danach aber keine offensiven Einsätze von den
Stützpunkten in Holland mehr zu. Der FdS ließ die 2. SFltl nach
Cherbourg und die 4. und 6. SFltl nach St. Peter Port auf Guernsey
verlegen.
Bis dahin hatte die 5. SFltl allein gegen den Englischen Konvoiverkehr operiert. Sie hatte die Lyme-Bay vermint. Am 13./14.04.1943 wurde durch S 111 der brit. Dampfer "Stanlake" (1742 BRT), S 82 meldete die Versenkung eines Frachters von 4000 BRT. S 90 meldete die Versenkung eines Zerstörers, die nicht bestätigt werden konnte. S 65 und S 112 versenkten den Geleitzerstörer „Eskdale“. Am
15.04.1943 versenkte die 4. SFltl den brit. Trawler "Adonis". In
dem Gefecht erhielt S 83 einen 40-mm-Treffer. Nach
einigen vergeblichen Einsätzen auf Weisung der Gruppe West gegen Ziele,
die von der FuMB aufgefasst wurden, begannen die gemeinsamen Mineneinsätze
aller vier Flottillen. In den Nächten 23./24., 28./29. und 30./31.05.1943
wurden die Geleitwege an der Südküste Englands verseucht. Wegen der
heftigen Gegenwehr der Briten mit Zerstörern, MGBs und Nachtjägern und
der Tatsache, dass die Minenlegeoperationen von den Briten mit Radar genau
vermessen wurden, so dass der Verkehr entsprechend umgeleitet wurde,
wurden Anfang Juni die letzten Minenverseuchungen mit 321 Minen und 84
Sperrschutzmitteln durchgeführt. Danach
verlegten die 2. und die 6. SFltl nach Ostende, um von dort aus in der
Themse-Mündung zu operieren, die 4. SFltl blieb in St. Peter Port, die 5.
SFltl in Cherbourg, so sollte die stärker gewordene Abwehr im Kanal
aufgebrochen werden. Während die 4. und die 5. SFltl einen gemeinsamen
Mineneinsatz durchführten, mussten die 2. und die 6. SFltl wegen des
schlechten Wetters im Hafen bleiben. In dieser Zeit wurden Umbau- und
Reparaturmaßnahmen durchgeführt. Bei den einzelnen Gruppen waren daher
von Mitte Juli bis Mitte August nur insgesamt fünf bis sechs Boote verfügbar.
Während einer Verlegungsfahrt zurück nach Ostende wurden S 68 und S 77 am 25.07.1943 kurz vor dem Hafen durch MGBs abgefangen. Im Feuergefecht fielen auf S 77 beide MGs und eine Hauptmaschine aus, ein Torpedo explodierte und das Boot brannte und hatte starken Wassereinbruch. Nach Selbstversenkung wurden vier Mann von den Briten geborgen, 12 Mann in einem Schlauchboot wurden am nächsten Morgen gerettet. Der Kmdt. (Oblt.z.S. Ludwig) und sechs Mann blieben verschollen. Der Rottenführer S 68 hatte, ohne in das Gefecht einzugreifen und ohne Feindmeldung abzugeben, den Marsch fortgesetzt. Hilfe durch die in Ostende in Bereitschaft liegenden Boote war dadurch nicht möglich. Ablösung und Kriegsgericht waren für den Kommandanten die Folge. Bei einem Bombenangriff auf Kiel am 25.07.1943 wurden die beiden zur 8. SFltl gehörenden Boote S 44 und S 66 vernichtet. Auf
dem Marsch von Hoek van Holland nach Boulogne lief S 88 am 27.07.1943 auf
eine Mine, konnte aber nach Dünkirchen eingeschleppt werden. In der Nacht 03./04.08.1943 gelang es den Booten der 2. und 6. SFltl in schnellem Ansatz auf eine vor Orfordness gemeldeten Patrouille den Trawler "Red Gauntlet" zu versenken. Die
4. und 5. SFltl verlegten mit sieben Booten nach Brest und mussten am
11.08.1943 in der Bucht von L’Abervrach herbe Verluste hinnehmen. Bei
Luftangriffen sank S 121 (Kmdt. Oblt.z.S. Klocke und 11 Mann fielen). Auf
S 110 wurden der Chef 4. SFltl (Korv.Kpt. Lützow) und der Kmdt. (Obltl.z.S.
Graser) leicht verletzt. In einem zweiten Angriff wurde S 117 getroffen,
es fiel ein Seemann und drei wurden verletzt. Alle Boote außer S
110 waren außer Kriegsbereitschaft (aKB). Dadurch erfolgten durch diese
beiden Flottillen in den folgenden Wochen keine Einsätze. Für
den Rest des Monats August hatten sich die 2. und die 4. SFltl auf eine
bevorstehende Landung vorzubereiten. Häufige Bereitschaft löste sich ab
mit Sicherungseinsätzen für Minenlegeoperationen durch R- und M-Boote.
Trotz einiger Feindberührungen und Angriffen von Typhoon-Nachtjägern
mit Raketenbomben gab es keine eigenen Verluste aber auch keine
Versenkungserfolge. Im
September waren die Flottillen wieder aufgefüllt, jetzt hatten alle Boote
eine gepanzerte Brücke und die 4-cm-Kanonen waren verstärkt eingebaut
worden. Die Boote der 5. SFltl hatten die neuen MB 511 Motoren mit 2.500
PS erhalten, was ihnen eine Marschfahrt von 35 kn verlieh. Da die Nächte wieder länger wurden, verlegten die 2. und 6. SFltl nach Ijmuiden, die 4. SFltl (KKpt Lützow) ging nach Rotterdam und wurde dort ab 12.09.1943 durch die neu aufgestellte 8. SFltl (KKpt Zymalkowski) verstärkt. Die 5. SFltl verblieb in Cherbourg.
Boote
der 4. SFltl auslaufend Rotterdam - Foto: Archiv Förderverein Nach
einer Schlechtwetterperiode gelang es in der Nacht 24./25.09.1943, einen
ersten gemeinsamen Mineneinsatz mit der Luftwaffe durchzuführen, wobei
der Geleitzugweg vor Orfordness mit den neuen Minen verseucht wurde, die
sich unscharf stellen konnten,
um so das Räumen zu erschweren. S 96 hatte dabei den franz. Trawler
"Franc Tireur" und den brit. Trawler "Donna Nook"
versenkt ehe sie selbst in ein Gefecht mit MGBs verwickelt wurde, in
dessen Verlauf S 96 die ML 145 rammte, dabei aber so starken Schaden nahm,
dass die Besatzung es selbst versenkte. 16 Mann gerieten in
Gefangenschaft, 12 Mann darunter der Kmdt. Oblt.z.S. Ritter von Georg
fielen. Die Boote S 39 und S 90 kollidierten, S 68 erhielt einen
Artillerietreffer wobei beide Außenmaschinen beschädigt wurden. Die
geworfenen Minensperren blieben, da die werfenden Boote unter ständiger
Radarbeobachtung standen, wirkungslos. Eine
Schlechtwetterperiode hielt die Boote in den Häfen fest. Am
07./08.10.1943 wurden die Mineneinsätze fortgesetzt. Das schlechte Wetter
verhinderte Feindberührungen. Es gab auf mehreren Booten unerklärliche
Kurbelwannenexplosionen. Ab 10.10.1943 stellte die Luftwaffe die
Mitarbeit am Minenkrieg ein, da gemäß Führerweisung der Angriff auf Städte
vorrangig durchzuführen sei. Der FdS kehrte daher zu der alten Arbeitsweise, abwechselnd Minen- und Torpedoeinsätze zu fahren, zurück. Der erste Torpedoeinsatz der 2., 4., 6. und 8. SFltl fand am 24./25.10.1943 statt. Die britische Abwehr hatte sich stetig verstärkt, so dass die eingesetzten 31 Boote unter Führung des bei der 2. SFltl eingeschifften FdS im Stichansatz durch S 74 lediglich den Trawler "William Stephen" versenken konnten. Sie wurden durch die Zerstörer und MTBs sowie Motor Launches in Gefechte verwickelt, dabei wurden S 63 und S 88 versenkt. Dabei fielen der Chef der 4. SFltl (Korv.Kpt. Lützow), der Kommandant S 88 (St.Ob.Strm. Räbiger) und acht Soldaten, 19 Mann wurden von britischen, 24 Mann von deutschen Booten geborgen. S 73 erhielt drei 40-mm-Treffer. Am 03.11.1943 stieß die 5. SFltl auf ein Geleit, S 141 und S 112 kamen zum Schuss, aber alle Torpedos gingen fehl. S 141 erhielt einen 40-mm-Treffer in den Maschinenraum, konnte aber den Hafen sicher erreichen. S 100 versenkte den brit. Frachtdampfer "Foam Quen" (811 BRT) und S 138 versenkte den brit. Frachter "Storea" (1967 BRT). S 136 meldete die Versenkung des brit. Frachters "Dona Isabel" (1179 BRT). S 138 und S 142 meldeten Fehlschüsse. In
der Nacht 04./05.11.1943 erfolgte ein gemeinsamer Mineneinsatz der vier
Flottillen. Auf dem Rückmarsch stieß die erste Gruppe der 2. SFltl auf
eine Zerstörerpatrouille und sichtete dahinter ein Nordgeleit. Dem
Torpedoangriff, bei dem auch zum ersten Male der flächenabsuchende
Torpedo (FAT) eingesetzt wurde, fielen die brit. Dampfer "Firelight"
(2841 BRT) - versenkt durch S 80 und S 89 - und "British
Progress" (4581 BRT) - getroffen von S 62, eingeschleppt aber nicht
wieder in Fahrt gekommen - zum Opfer. Die zweite Gruppe wurde dagegen von
zwei Zerstörergruppen angenommen. Insgesamt waren auf britischer Seite
wegen des Ausfalls der MGBs acht Zerstörer im Einsatz, drei am Geleit,
drei auf Patrouille und zwei in der Gebietssuche. Wegen eines
Maschinenausfalls geriet die zweite Gruppe der 6. SFltl in die Morgendämmerung.
Sie wurde von sechs Beaufightern bekämpft. Dabei erhielt S 74 Treffer und
musste aufgegeben werden. Bis auf drei Gefallene konnten alle
Besatzungsangehörigen geborgen werden. Zwei Boote - S 116 und S 91- erlitten
leichtere Schäden. Am
18.11.1943 trafen die ersten vier Boote - S 130, S 144, S 145 und S 146 -
der neu aufgestellten 9. SFltl (Kptlt. v. Mirbach) in Rotterdam ein. Die
schweren Winterstürme verhinderten jedoch weitere Einsätze für den Rest
des Jahres. Die
Bilanz des Jahres 1943 war unbefriedigend: Es waren 26 Schiffe mit 44.585
BRT versenkt worden, 1942 waren es noch 91 Schiffe mit 214.885 BRT
gewesen. Dies war eine unmittelbare Folge der verstärkten und
koordinierten Abwehr durch die Briten. Der FdS sprach von der Krise der
Schnellbootwaffe. Die eigenen Verluste betrugen: 84 Gefallene, 15 Schwer- und 18 Leichtverletzte, 37 Gefangene, 1 Vermisster. Es gingen 15 Boote verloren: S 104 und S 70 durch Minentreffer, S 71, S 77, S 63 und S 88 durch/nach Artillerietreffer, S 75, S 44, S 66, S 74, S 56 und S 121 durch Bombentreffer, S119, S 29 und S 96 durch Kollision. Hinzu kam ein Verlust von sechs Booten durch Verkauf an Spanien: S 73, S 78, S 124, S 125, S 126 und S 134.
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